Inhalt der Fortbildung ist die theoretische Darstellung einer Klassifizierungsmöglichkeit für nichtaphasische zentrale Sprachstörungen, deren Diagnostik anhand eines Screenings sowie die Ableitung entsprechender Behandlungsmöglichkeiten. Ausgegangen wird von einem konnektionistischen Sprachverarbeitungsmodell, in dem linguistische Prozesse von zahlreichen übergeordneten kognitiven Funktionen abhängig sind.
Theorie: Kognitive Dysphasien bezeichnen hirnorganisch bedingte nicht-multimodale Sprachverarbeitungsstörungen infolge gestörter dysexekutiver, attentionaler und/oder mnestischer Funktionen. Sie zeigen sich u.a. nach frontalen Läsionen, nach Hypoxien, bei vaskulären und degenerativen Demenzen sowie bei endogenen und exogenen Psychosen – sind also im klinischen Alltag recht häufig. Im Rahmen der Fortbildung soll ein Überblick gegeben werden zu symptomatologischen und ätiologischen Einteilungsmöglichkeiten Kognitiver Dysphasien und zu Abgrenzungsmöglichkeiten gegenüber aphasischen Störungen.
Diagnostik: Anhand eines Screenings zur Aufmerksamkeits- und Gedächtnisdiagnostik (AGD) sollen sprachverarbeitungsrelevante kognitive Funktionen erfasst werden, auf deren Grundlage Patienten mit Kognitiver Dysphasie von solchen mit Aphasie auf symptomatologischer Ebene unterschieden werden können. Das Screening wird dargestellt im Hinblick auf Durchführung und (qualitative) Auswertung der erhobenen Daten.
Therapie: Am zweiten Tag sollen therapeutische Konsequenzen einer Differenzialdiagnostik zwischen Patienten mit Aphasie und Kognitiver Dysphasie sowie spezifische Herangehensweisen besprochen werden. Diskutiert wird dabei u.a., welche therapielimitierenden Faktoren bei schweren Hirnschädigungen bestehen und inwieweit aphasietherapeutische und neuropsychologische Therapieansätze miteinander verbunden werden können. Anhand von zahlreichen Video- und Fallbeispielen sollen Möglichkeiten einer Kognitiv ausgerichteten Sprachtherapie (KAS) erarbeitet werden.
Über die Referentin:
1972 geboren in Berlin
1991-1996 Studium der Sprechwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin
Seit 1996 tätig in der neurologischen Rehabilitation (Phasen B, C, D und F)
2004 Ausbildung zu Fachtherapeutin für Kognitives Training in Stuttgart
2005 Promotion an der HUB zum Thema „Kognitive Dysphasien“